Donnerstag, 25. Februar 2016

[Rezi] "Tod in Weimar" (Dominique Horwitz)

erschienen am 21.09.2015
der Hörverlag
7 CDs, 8h 04 min
ISBN: 9783844519259
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Inhalt:

Als in der Villa Gründgens, einem Seniorendomizil für die etwas betuchteren Bewohner, einer nach dem anderen stirbt, trifft es auch den Hausmeister. Diesen soll auf Wunsch der Leiterin des Domizils Roman Kaminski, der normalerweise seinen Broterwerb mit dem Herumkutschieren von Touristen bestreitet, ersetzen. Kommissar Westphal kommt dieser Umstand wie gerufen, denn so kann er Kaminski als Undercover-Ermittler einsetzen…

Meine Eindrücke:

Da mich der Titel sofort neugierig machte, war meine Erwartungshaltung hier besonders groß: Ein Krimi, und dann auch noch in der wunderschönen Goethe-Stadt – klasse!
Gelesen vom Autor, der ein super Schauspieler sein soll (ich selbst muss zu meiner Schande gestehen, kenne ihn nicht, zumindest nicht bewusst), das lässt mich freudig aufhorchen.

Nun, Dominique Horwitz versteht es mit der Sprache umzugehen, das gefällt mir.
So beginnt er einige seiner Kapitel mit einem Sätzchen, das der imaginären Autobiographie Kaminskis entsprungen sein soll, was ich für eine schöne Idee halte. Diese Einführungssätze sind voller Poesie, die ich in einem Krimi nicht erwartet hätte und bilden einen guten Kontrast zum ansonsten spannend erwarteten Inhalt.
Die Protagonisten vermag Horwitz mit seinen Beschreibungen zum Leben zu erwecken.
Kaminski, der etwas kauzige Kutscher, hat sich dabei in meine Sympathie geschlichen, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass er sich „nebenbei“ um das 14jährige Mädchen „Frettchen“ kümmert, das ihm das Leben nicht gerade leichter gestaltet.
Aber auch die anderen Charaktere konnte ich mir gut vorstellen.

Weniger gefiel mir jedoch, dass die Handlung für meinen Geschmack insgesamt zu wenig „Krimi“ enthielt. Da hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Zwar gab es hier auch Überraschungen und es wurde Dinge mit eingewoben, die ich so nicht vermutet hätte, aber insgesamt wurde ich diesbezüglich leider ziemlich enttäuscht. Für mich plätscherte hier zu viel zu lange herum.
Auch hätte mich bei dem Titel etwas mehr Lokalkolorit gefreut. Hier und da gab es zwar den einen oder anderen Hinweis, doch wenn der Protagonist ein Kutscher und Fremdenführer ist, naja, da hätte mehr kommen können.

Fazit:

Insgesamt ist es ein solider Erstling, der mich mittelmäßig unterhalten hat.
Empfehlen könnte ich ihn Lesern, die es unblutig mögen bei einem Krimi und die sich gerne in eine spezielle Umgebung begeben möchten.


Ein herzliches Dankeschön an das Bloggerportal von Randomhouse für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 21. Februar 2016

[Rezi] "Der Pfauenfedernmord" (Ulrike Busch)

erschienen am 01.12.2015
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Taschenbuch, 278 Seiten
9,99 EUR
ISBN: 9781503954588
hier kannst du mich kaufen
Inhalt:

Jahr für Jahr treffen sich der Schönheitschirurg Dr. Claus Wiederkehr nebst seiner Gattin Valerie Wunderlich-Wiederkehr mit den schon lange befreundeten Ehepaaren Bitterstein und Geier – in diesem Jahr bereits zum 25. Mal, was zugleich der Anzahl der Ehejahre der Wiederkehrs entspricht.
Doch gibt es dieses Mal eine böse Überraschung: Vier Tage nach den Feierlichkeiten wird die Leiche einer Frau aufgefunden, die offenbar dem Freundeskreis angehörte. Schnell ist klar, dass ein Unfall oder gar Selbstmord ausgeschlossen werden können – doch wer hat hier gemordet? Und aus welchen Beweggründen?

Meine Eindrücke:

Der Autorin Ulrike Busch ist mit „Pfauenfedernmord“ ein guter, unblutiger Krimi gelungen.
Ein Widerspruch in sich? Nein, überhaupt nicht! Sie beweist, dass es nicht unbedingt der vermeintlich  „klassischen“ Elemente bedarf, um einen Krimi lesenswert zu machen.
Zunächst muss ich die gelungenen Charaktere loben: Schon die Namensgebungen könnten passender kaum gestaltet sein – herrlich! Dass die Autorin jedem der Paare zu Beginn Platz einräumt, um sich dem Leser vorzustellen, finde ich super, denn dank ihrer spitzfindigen Beschreibungen hat man gleich ein Bild vor Augen und bringt so die Charaktere im Laufe der Seiten nicht durcheinander.
Im Laufe der Kapitel wird ein kleines Verwirrspiel für die Ermittler und den Leser gestartet, so dass man immer wieder neue Verdächtige in Augenschein nehmen muss. Dabei kommen auch scheinbare Außenseiter mit ins Spiel, so dass man doch immer wieder seine eigene Meinung revidieren darf und die Spannung nicht auf der Strecke bleibt. Neben dem Mord an sich gibt es noch die eine oder andere Begebenheit, die zum miträtseln einlädt. Wunderbar!
Ganz besonders hat mir die sprachliche Gestaltung gefallen, die diesem Wohlfühlkrimi ihren ganz besonderen Charme verleiht. Man bekommt direkt Lust, gleich das nächste Werk von Ulrike Busch zu holen und sofort weiterzulesen!
Was hier jedoch für meinen Geschmack ein wenig untergegangen ist: der Lokalkolorit.
Das Cover ist schon unheilschwanger gestaltet und führt den Leser gleich an die stürmische See, doch hat für mich stellenweise diesbezüglich das letzte Quäntchen zum Glück gefehlt. Gerade mit dieser Lokation kann man herrlich spielen und alle Sinneseindrücke mit einbeziehen. Hier hätte ein bisschen mehr kommen können. Aber das ist „jammern auf hohem Niveau“ und natürlich Geschmackssache!

Fazit:

Da ich hier vom Plot und den Wirrungen im Vorfeld nicht zu viel verraten möchte, kann ich diesen Krimi nur jedem Freund der subtilen Spannung empfehlen, für den ein Krimi nicht gleichbedeutend mit viel Blut oder derben Psychospielchen ist.
Ich hatte jedenfalls eine gute Zeit auf Sylt und freue mich auf eine Fortsetzung!


Ein herzliches Dankeschön an Ulrike Busch für das Rezensionsexemplar und vor allem für die intensive Betreuung der Leserunde auf lovelybooks!