Dienstag, 21. Juli 2015

[Rezension] "Finding Audrey" (Sophie Kinsella)

erschienen am 04.06.2015
Verlag: Doubleday Childrens
Taschenbuch: 288 Seiten
12,95 EUR
ISBN: 9780857534590
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Inhalt:

Für die 14jährige Audrey ist ein normales Leben derzeit undenkbar: in die Schule gehen, Freunde treffen, überhaupt das Haus verlassen? – Keine Chance! Doch selbst zu Hause trifft man sie nur hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt an, die sie nie ablegt, da ihr selbst zu ihren Familienmitgliedern der Augenkontakt schwer fällt. Selbst scheinbar banale Dinge wie mit den Freunden des Bruders reden, die ihn besuchen, scheinen viel zu viel für Audrey zu sein. Bis Linus auftaucht und sie Stück für Stück mit viel Geduld aus der Reserve lockt…

Meine Eindrücke:

Mit „Finding Audrey“ (dt.: „Schau mir in die Augen, Audrey“) hat Sophie Kinsella, die vielen Frauen als Autorin der „Shopoholic“-Reihe und anderen Chicklit-Sachen bekannt ist, ihren ersten Jugendroman veröffentlicht. Dieser behandelt mit Angststörungen und Depressionen auch direkt ein nicht zu leicht zu nehmendes Thema, so dass meine Neugier umso größer war.

Schon das (englische) Cover spricht mich sehr an: Dort ist das Gesicht eines Mädchens zu sehen, die Augen hinter einer dicken Sonnenbrille versteckt. Der Rest geht im grüngestreiften Hintergrund unter. Einzig ihre Hände sind noch zu sehen. Das suggeriert, dass sich ein junger Mensch selbst verloren hat, was sich mit dem engl. Titel deckt. Sehr schön!

Doch wie wird „die Kinsella“ mit dem Thema umgehen?
Nun, insgesamt ziemlich gut, muss ich sagen.
Der Leser lernt neben Audrey selbst ihre herrlich „normal verrückte“ Familie mit all ihren Marotten kennen und kommt nicht umhin, hier und da zu schmunzeln oder sich oder andere in manchen Szenen wiederzufinden. Das gefällt mir sehr gut!
Neben Audrey bekommt ihr Bruder Frank in dem Roman große Aufmerksamkeit, da seine Mutter ihn der Spielsucht bezichtigt, was zu schön überspitzten Szenen führt… ;-)
Eine weitere zentrale Rolle spielt Linus, der zunächst als Franks Kumpel auftritt, sich nach und nach aber in Audreys Vertrauen schleicht und ihr einfach gut tut. Manchen mag er vielleicht etwas zu lieb und zu glatt für einen Jungen seines Alters vorkommen, doch denke ich, gibt es immer wieder Ausnahmen, so dass mir auch dieser Charakter durchaus authentisch erscheint und zudem der perfekte Begleiter für die verschreckte Audrey ist!
Die eingeflochtenen Filmsequenzen (ein Projekt von Dr. Sophie, Audreys Psychologin, um sie der Realität wieder näher zu bringen) lockeren die Atmosphäre auf. Sie zeigen das wahre Leben in den vier Wänden der Familie mit allerlei lustigen Begebenheiten.

Was mir hier am Umgang mit dem Thema Angststörung und Depression sehr gut gefällt: Sophie Kinsella zeigt auf, dass es nicht nur ein auf gibt, sondern auch zu herben Rückschlägen führen kann. Dies ist mal besser, mal weniger gut ausgeführt, aber die Botschaft kommt rüber.
Dass der Auslöser für Audreys Erkrankung vielfach angerissen, aber nie direkt detailliert benannt wird, finde ich persönlich nicht weiter schlimm, es tut nicht wirklich was zur Sache, da für mich die Zeit „danach“ eindeutig im Vordergrund steht.
Jedoch ging mir ging die Heilung am Schluss dann doch etwas schnell. Ein wenig hatte ich das Gefühl, sie wollte ihren Roman auf wenigen Seiten zu Ende bringen. Etwas mehr wäre hier in meinen Augen tatsächlich „mehr“ gewesen. So war alles etwas Holterdipolter, und schon ist alles gut.
Da hat mir doch noch etwas gefehlt. Schade!

Fazit:

Insgesamt kann ich Sophie Kinsellas ersten Jugendroman als lesenswert ansehen, auch wenn er hier und da für mich kleine Schwächen aufweist.

Wer einen Roman ausschließlich zu diesem ernsten Thema lesen möchte, ist hier nicht unbedingt perfekt bedient. Wer jedoch auch offen ist für andere Problematiken, die in jeder Familie auftreten können, wird hier sicherlich seine Freude haben!


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