Mittwoch, 24. Juni 2015

Autorenspecial Teil 2 - Das Interview mit Henrike Spohr

Ich habe in Henrike Spohr eine sehr sympathische Autorin kennenlernen dürfen.
Da möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, was sie zu erzählen hatte...

Henrike Spohr im ganz privaten Schnappschuss

Hallo Henrike, super, dass du dir die Zeit nimmst und dich meinen neugierigen Fragen stellen magst! :-)
Gerne. Ich bin schon gespannt!

Zunächst einmal: Kompliment!
Ich habe die Tage ja dein Debüt „Heilbronn37°“ beendet und bin immer noch ganz geflashed!
Einen Krimi hatte ich erwartet, einen thrilligen Pageturner bekommen, wow!
Das freut mich wahnsinnig, dass es dir gefallen hat. Ja, auf dem Cover steht ja Kriminalroman, womit ich nicht so richtig glücklich bin, weil es ja wirklich kein Krimi ist. Psychothriller passt auch nicht ganz, da erwartet man wahrscheinlich mehr  … Blut. Ich persönlich würde Heilbronn 37° eher in die Schublade Psychodrama stecken. Im Kern ist es eines.  Aber natürlich gibt es auch einen guten Thrill-Anteil.

Es ist dein Erstling – magst du uns verraten, wie du auf diese Idee gekommen bist?
Ich würde das gerne verraten, weiß es aber selbst nicht mehr so genau. Das hat sich allmählich entwickelt. Ich hatte da eine Idee, die der Hauptkonflikt sein sollte und drum herum habe ich mir eben diese Geschichte mit Tamara ausgedacht. Mich interessieren Charaktere, die nicht von Grund auf „böse“ sind, die sich entwickeln und Fehler machen. Die man nachvollziehen kann, auch wenn das, was sie machen nicht richtig ist.

Ich  hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass das Wetter hier eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Welche Rolle spielt es denn in deinem Leben? Bist du ein Sonnenanbeter oder eher der winterliche Typ?
Ich bin ein absoluter Sonnenanbeter. Das heißt nicht, dass ich mich in die Sonne knalle und da sinnlos rumliege. Aber ich liebe den Sommer, die Hitze, diese langen Tage, wenn es erst spät dunkel wird. Und natürlich die Sommergewitter. Wenn die Sonne scheint habe ich die meiste Energie und leider fällt mein Energielevel sofort ab, wenn es trüb und regnerisch ist. Ich kann z.B. viel besser schreiben, wenn die Sonne scheint, wenn es regnet fällt mir einfach nichts ein. Naja, aber damit muss ich halt leben.

Insgesamt finde ich "Heilbronn 37°" etwas mystisch angehaucht. Auch die Katze läuft dem Leser immer wieder über den Weg – welche Bedeutung
haben diese Tiere in deinem Leben?

Der Ausblick in den grünen Garten :-)
Ich habe zwei Katzen, die ich mag, die mich aber auch schrecklich nerven. 
Die Bedeutung dieser Tiere, ... als Kind hatte ich Angst vor Katzen. Mein 
Großvater, der unter uns wohnte, hatte eine, die hieß sogar Hexe. Neben 
seiner Eingangstür saß die oft, wenn ich kam auf einem Schränkchen. Sie 
starrte mich immer so an, wie Katzen das eben machen, und ich bin immer 
ganz schnell an ihr vorbei gelaufen. Sie war ja, dadurch, dass ich noch 
klein war und sie erhöht saß auf Augenhöhe mit mir ... *grusel*


Das ist ja wirklich gruselig *schauder* - ob ich mir mit dieser Erfahrung auch Katzen ins Haus geholt hätte? Ich weiß ja nicht... *lach*

Dein nächstes Werk ist schon in Arbeit – kannst du uns schon einen kleinen Ausblick darauf geben?
Ich würde es wieder als einen moderaten Mix aus Psychodrama und Psychothriller bezeichnen.
Dieses Mal ist es nicht schwül-gewittrig, sondern heiß und trocken. Die Atmosphäre bei Heilbronn 37° ist ja bedrückend, bedrohlich. Im neuen Projekt versuche ich eine eher surreale Atmosphäre zu schaffen, in der die Bedrohung nie ganz so offensichtlich, sondern eher unterschwellig ist. Mir gefällt das Morbide am Sommer. Die Hitze und das Gnadenlose. Das habe ich versucht, umzusetzen.
Es ist nicht lokal verortet. Das war mir wichtig, weil ich so das Surreale unterstreiche, es weniger geerdet ist.

Ist der Tisch nicht zauberhaft?!
Das macht mich neugierig!
Aber wo entstehen deine Bücher? Hast du einen fixen Arbeitsplatz, an den du dich setzen musst, oder findet man ich auch… beispielsweise in einem Heilbronner Cafè über den Laptop oder einer Kladde gebeugt, in die du deine Ideen einträgst? 
Ich schreibe an einem Tisch, der im Wohnzimmer am Fenster steht. So kann ich immer ungestört in den Garten starren, wenn ich nachdenke. Ins Café oder so gehe ich nie zum Schreiben. Da fehlt mir die Zeit und da könnte ich mich auch nicht konzentrieren. Ich notiere mir auch nie was, sondern behalte alles, was wichtig für den Plot ist im Kopf. Das, was ich dann wieder vergesse, war auch nicht wichtig. Die meiste Zeit nimmt nicht das Schreiben an sich, sondern das Nachdenken ein. Und das kann ich ja überall. Am besten beim Schwimmen. Das neue Projekt habe ich über ein Jahr nur im Kopf hin und her gewälzt, umgebaut, bis ich dann anfangen konnte zu schreiben. Das ging dann recht schnell.

Wie viel „Henrike“ steckt in deinen Figuren?
Kaffee gefällig?
Oh. Interessante Frage. Bisher wurde ich ja nur gefragt, ob der Plot irgendwie autobiografisch ist. Was er natürlich nicht ist. Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht.
Mal sehen. Ich denke, das kämpferische in Tamara ist ein großer Teil von mir. Sie gibt nicht auf, geht ihren Weg. Da bin ich ihr schon recht ähnlich. Paul ist mir kein bisschen ähnlich, er ist zu weich, lässt sich rumschubsen. Was mir ganz fremd ist, ist dieses nicht miteinander zu kommunizieren. Denn im Grunde sind alle Charaktere in Heilbronn 37° sprachlos. Schaffen es nicht wirklich miteinander zu reden. Ich denke aber, dass ist ein häufiges Problem.

Mir ging deine Danksagung übrigens sehr nah – würdest du dich als emotionalen Menschen bezeichnen?
… emotional ist doch jeder, oder? Es kommt drauf an, wie man mit seinen Emotionen umgeht. Wenn du die Frage so meinst, ob ich mich von meinen Gefühlen „übermannen“ lasse, dann nein.  Vielleicht von positiven Gefühlen. Ich versuche negative Emotionen zu ergründen, schaue genau hin und frage mich, warum es mir schlecht geht, warum ich wütend bin. Und wenns sein muss, lasse ich so was einfach zu, weil ich weiß, dass sich das auch wieder ändert.  Das hört sich jetzt wahnsinnig kontrolliert an. Aber so ist es auch nicht. Ich habe nur gelernt mit mir umzugehen. ;-)

Seit wann schreibst du eigentlich?
Seit ungefähr dreieinhalb Jahren.

Dieser Ausblick ist Inspiration pur 
Mit welcher Motivation hast du angefangen?
Ich habe schon immer gerne Geschichten erfunden, einfach so für mich, wenn 
ich nicht einschlafen konnte, oder wenn mir langweilig war. Mein Vater hat 
uns abends immer selbst erfundene Geschichten erzählt. Meistens 
Gruselgeschichten. Ich habe als Kind natürlich auch sehr viel gelesen. 
Wenn wir verreist sind, hat meine Mutter immer massenhaft neue Bücher für 
uns alles gekauft, das war wunderbar, wenn man dann so viel Lesestoff 
hatte. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, selbst zu schreiben. Bis 
mein Mann gesagt hat "Schreib doch einfach ein Buch". Da hat es *klick* 
gemacht und ich dachte, wieso eigentlich nicht? Das war wohl der 
bedeutsamste Satz, den er je zu mir gesagt hat. Ich finde es immer noch 
unglaublich, wie zufällig das angefangen hat. Jetzt kann ich mir gar nicht 
mehr vorstellen, nicht zu schreiben.


Oh, das ist natürlich richtig schön! Da könnte man ja fast ein wenig sentimental werden...

Kannst du dir vorstellen, allein vom Schreiben zu leben?
Natürlich. Das wäre ja traumhaft!

Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?
Ausschlafen, dann einen ungestörten Kaffee auf der Terrasse. Es ist natürlich Sommer und am Himmel ziehen ein paar Schäfchenwolken vorbei. Dann ein paar Stunden schreiben, mit den Kindern ins Freibad gehen und ein paar Bahnen schwimmen. Und wenn wir nach Hause kommen, hat mein Mann gekocht und wir essen alle zusammen. Dann lese ich den Kindern vor und sie schlafen brav ein. Und den Rest des Tages verbringe ich mit meinem Mann bei interessanten Gesprächen im Garten.
Alternativ: Früh aufstehen, Koffer packen ins Auto und einfach ins Blaue fahren. Anhalten, wo‘s uns gefällt und abends ein Hotel suchen. J

Gibt es noch etwas, das du den Lesern gerne mitteilen möchtest?
Ich möchte mich für all die begeisterten pns, Rezensionen und für die tollen Gespräche bedanken! Das macht wirklich Mut und gibt mir unglaublich viel Energie. Außerdem würde ich mir wünschen ich bekäme massenhaft Fotos von Lesern, die gerade mein Buch lesen!
Ich hoffe mein nächstes Buch gefällt euch genauso gut, oder noch besser. ;-)

Henrike, ich danke dir für deine Zeit und das tolle Interview! Es war sehr interessant, auch private Einblicke in dein Leben zu bekommen ;-)

Ansonsten muss ich unbedingt noch eines loswerden: Ich freue mich wirklich schon sehr auf dein nächstes Buch ;-)

Ein ganz dickes DANKESCHÖN an Henrike Spohr, die ihr Privatarchiv geplündert hat und mir damit diese wundervollen Fotos zur Verfügung gestellt hat! :-)

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